
RatgeberAus dem Pflegealltag
Die kurze Antwort
Weil ein Teil unserer Kunden Insulin bekommt und Insulin und Frühstück zusammengehören, wobei der Abstand dazwischen in der Verordnung steht. Und weil Kompressionsstrümpfe an den frühen Morgen gehören, solange die Beine nach der Nachtruhe noch abgeschwollen sind. Beides verträgt keine Verschiebung auf zehn Uhr. Der ganze Rest unseres Vormittags ordnet sich dieser Reihenfolge unter.
Das ist die kurze Antwort. Die lange steht hier, weil sie auch erklärt, warum wir Ihnen ein Zeitfenster nennen und keinen Termin auf die Minute.
Kurz vor sechs, im Büro an der Buerer Straße
Der Tag fängt nicht beim ersten Kunden an, sondern eine halbe Stunde vorher bei uns im Büro. Die Kollegen kommen kurz vor sechs, es gibt Kaffee, es wird geredet, und währenddessen läuft schon die Vorbereitung, also Materialien zusammensuchen, die Übergabe vom Vortag lesen, schauen, was sich seit gestern geändert hat.
Das klingt beiläufig und ist es nicht. In dieser halben Stunde entscheidet sich, ob jemand weiß, dass bei Frau M. seit gestern eine neue Salbe im Bad steht oder dass Herr K. am Wochenende gestürzt ist. Danach wird noch eine geraucht, und dann fährt der erste los.
Warum Insulin und Kompressionsstrümpfe zuerst kommen
Das sind die beiden Versorgungen, bei denen die Uhrzeit nicht Bequemlichkeit ist, sondern Medizin.
Insulin und Frühstück gehören zusammen, und wie viel Zeit dazwischen liegt, hängt vom Präparat ab. Bei manchen Insulinen ist ein Abstand vorgesehen, bei anderen wird direkt vor der Mahlzeit gespritzt. Wie lang der Abstand ist, steht in der Verordnung, und danach richten wir die Tour. Wer erst um halb zehn versorgt würde, hätte bis dahin nichts gegessen, und das ist der eigentliche Grund für den frühen Termin.
Kompressionsstrümpfe gehören an den frühen Morgen, weil die Schwellung über Nacht zurückgegangen ist und der Strumpf genau diesen Zustand halten soll. Wer erst aufsteht, sich hinsetzt und den Strumpf eine Stunde später bekommt, zieht ihn über ein Bein, das schon wieder angelaufen ist. Dann sitzt er schlechter und die Kompression bringt weniger. Das früher übliche Anziehen im Bett gilt der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie heute allerdings als überholt, es kommt also auf die frühe Uhrzeit an und nicht darauf, dass jemand noch liegt.
Diese beiden Gruppen stehen deshalb am Anfang jeder Morgenrunde. Das ist keine Einteilung, die wir uns ausgedacht haben, sondern eine, die sich aus den Verordnungen ergibt.
Warum die Wundversorgung ganz am Ende steht
Aus dem umgekehrten Grund. Einer Wunde ist es gleich, ob sie um sieben oder um halb elf versorgt wird. Deshalb hängen wir die Wundversorgungen hinten an die Morgenrunde, dahin, wo die Zeit weniger drückt.
Akute Wunden übernehmen wir immer. Bei chronischen Wunden halten wir uns eher zurück, weil sie in spezialisierte Hände gehören und eine Versorgung, die nur nebenherläuft, dort niemandem hilft.
Warum wir alles in einem Besuch machen
Wenn jemand Grundpflege bekommt und zusätzlich Kompressionsstrümpfe, eine Injektion und seine Medikamente, dann passiert das nicht in vier Besuchen, sondern in einem. Wir fahren einmal hin und machen alles zusammen.
Das ist für Sie angenehmer, weil nicht viermal am Tag jemand klingelt. Und es ist der Grund, warum eine Versorgung bei uns manchmal länger dauert, als auf dem Papier steht.
Warum wir ein Zeitfenster nennen und keine Uhrzeit
Wir planen die Touren nach Stadtteilen. Wer in Horst wohnt, wird von jemandem versorgt, der an dem Vormittag in Horst unterwegs ist, und nicht von jemandem, der aus Buer herunterfährt. Das hält die Wege kurz.
Weil wir wissen, in welchem Stadtteil eine Tour zu welcher Zeit ist, können wir Ihnen beim ersten Gespräch schon sagen, wann ungefähr jemand bei Ihnen sein wird. In der Regel grenzen wir das auf plus minus zwanzig bis fünfundzwanzig Minuten ein.
Genauer geht es nicht, und deshalb versprechen wir es auch nicht. Eine Versorgung, die länger dauert, weil es jemandem schlecht geht, schiebt den ganzen Rest der Tour. Das ist auch richtig so. Der Mensch, bei dem gerade jemand steht, ist wichtiger als der Zeitplan.
Wo es nicht aufgeht
Kurze Wege und Kundenwünsche decken sich nicht immer, und wir tun nicht so, als wäre das anders.
Es kommt vor, dass jemand vor neun Uhr nicht erreichbar sein möchte, weil er ausschlafen will. Dann fährt unser Auto um sechs an seiner Straße vorbei und noch einmal um halb zehn zurück. Wirtschaftlich ist das Unsinn. Wir machen es trotzdem, weil der Wunsch berechtigt ist. Es ist die Wohnung dieses Menschen und sein Morgen.
Was wir dabei nicht versprechen, ist, dass jeder Wunsch erfüllbar wäre. Wenn fünf Menschen in verschiedenen Stadtteilen alle um acht Uhr versorgt werden möchten, geht das nicht auf. Dann setzen wir uns hin und reden darüber, statt es kommentarlos anders zu machen und Sie am ersten Morgen zu überraschen.
Was gegen elf passiert
Die Morgenrunde endet zwischen elf und viertel nach elf. Danach gibt es eine halbe bis dreiviertel Stunde Pause.
Viele Kollegen verbringen sie im Büro. Es gibt eine Teeküche mit Mikrowelle, Kaffee, Wasser, Obst, Brötchen, Brot, und jeder darf sich nehmen und machen, was er möchte. Andere fahren nach Hause, weil sie in der Nähe wohnen, oder gehen einkaufen. Die Zeit gehört ihnen.
Wir schreiben das hier hin, weil es zu einem ehrlichen Bild vom Tag dazugehört. In der ambulanten Pflege wird viel über Zeitdruck geredet. Eine Pause, die wirklich Pause ist, ist ein Teil davon, wie man ihn kleiner hält.
Die Mittagsrunde sieht anders aus als der Morgen
Am Mittag findet fast keine Grundpflege statt. Fast alles, was dann gefahren wird, ist Behandlungspflege: Injektionen, Medikamentengabe, noch einmal eine Wundversorgung.
Betroffen sind vor allem Menschen, die mehrmals am Tag angefahren werden müssen. Oft geht es um Insulin. Oft geht es auch um Menschen mit einer Demenz, die ihre Medikamente vergessen würden, wenn niemand kommt und sie ihnen reicht. Das ist eine kurze Versorgung, manchmal fünf Minuten, und sie entscheidet trotzdem darüber, ob jemand zu Hause bleiben kann.
Die Mittagsrunde endet zwischen dreizehn und vierzehn Uhr.
Was am Ende eines Dienstes passiert
Danach kommen die Kollegen zurück ins Büro und machen Übergabe. Alles, was jemandem aufgefallen ist, wird zusammengetragen und für die anderen hinterlegt. Das läuft bei uns digital über die Pflegesoftware, damit es nicht an einem Zettel oder an einem Gedächtnis hängt.
Diese Übergabe ist der Grund dafür, dass es funktioniert, wenn am Mittwoch jemand anderes kommt als am Dienstag. Die Pflegekraft am Mittwoch weiß, dass gestern der Verband schneller durchgeblutet ist als sonst. Sie fängt nicht bei null an.
Zusammen mit der Tourenplanung nach Stadtteilen führt das dazu, dass eine Familie bei uns in der Regel nur drei bis fünf Kolleginnen und Kollegen kennenlernt. Nicht zehn, und nicht jede Woche neue.
Die Spätschicht
Der Spätdienst fängt zwischen fünfzehn und halb vier an, je nach Tour. Die Kollegen kommen ab halb drei ins Büro, sprechen kurz mit der Pflegedienstleitung und holen sich, was sie für den Abend wissen müssen. Manche trinken noch einen Kaffee, manche essen etwas, manche stehen zum Reden vor der Tür und tragen dabei ihre Sachen zusammen.
Dann fährt der Abend genauso los wie der Morgen, also nach Stadtteilen und mit demselben Spagat zwischen kurzen Wegen und dem, was die Menschen sich wünschen.
Was das für Sie bedeutet
Wenn Sie bei uns anrufen, können wir Ihnen im ersten Gespräch drei Dinge ziemlich verbindlich sagen: in welchem Zeitfenster jemand kommen würde, wie viele verschiedene Gesichter Sie kennenlernen und was davon die Kasse trägt.
Was wir Ihnen nicht sagen können, ist die Minute, weil ein Tag, der so geplant ist, wie er tatsächlich läuft, keine Minuten kennt.
Welches Zeitfenster bei Ihnen herauskäme, hängt davon ab, in welchem Stadtteil Sie wohnen und was gebraucht wird. Beides lässt sich am Telefon klären, meistens in weniger als zehn Minuten.
Häufige Fragen
Warum kommt der Pflegedienst so früh?
Weil ein Teil unserer Kunden Insulin bekommt und Insulin und Frühstück zusammengehören, wobei der Abstand in der Verordnung steht. Und weil Kompressionsstrümpfe an den frühen Morgen gehören, solange die Beine nach der Nachtruhe noch abgeschwollen sind. Diese Versorgungen stehen deshalb am Anfang jeder Morgenrunde.
Kann ich mir eine Uhrzeit wünschen?
Ja. Wir richten uns nach Möglichkeit danach, auch wenn es längere Fahrtwege bedeutet. Wenn ein Wunsch mit anderen Versorgungen kollidiert, sagen wir das vorher und suchen mit Ihnen eine Lösung.
Warum bekomme ich nur ein Zeitfenster und keine feste Uhrzeit?
Weil eine Versorgung länger dauern kann, wenn es jemandem schlecht geht, und das die ganze Tour verschiebt. Wir grenzen die Zeit in der Regel auf plus minus zwanzig bis fünfundzwanzig Minuten ein.
Warum kommt der Pflegedienst bei manchen Menschen mehrmals am Tag?
Meistens wegen Insulin oder Medikamenten. Am Mittag fahren wir vor allem Menschen an, die ihre Medikamente sonst vergessen würden, etwa bei einer Demenz.
Weiß eine andere Pflegekraft über mich Bescheid, wenn sie einspringt?
Ja. Nach jedem Dienst gibt es eine Übergabe, die digital in der Pflegesoftware hinterlegt wird. Eine Familie lernt bei uns in der Regel nur drei bis fünf Kolleginnen und Kollegen kennen.